Veranstaltung vom 14. Mai 2008
"Die deutsche Arbeitsmigrationspolitik ist Ende des 19. Jahrhunderts
im Rahmen einer imperialistischen Unterdrückungsund Ausbeutungspolitik zur Sicherung des Standorts Deutschlands im globalen Wettkampf um materielle und humane Ressourcen entstanden. Trotz aller geschichtlichen Brüche und Umwälzungen haben sich viele Muster der inneren Kolonialisierung bis in die Gegenwart hinein tradiert und dabei neue Formen angenommen. Dessen ungeachtet wird sowohl die sozialwissenschaftliche wie politische Debatte bis in die antirassistische Linke hinein durch eine nahezu konsensuale
Enthistorisierung, Verdrängung und sekundäre Erinnerungsabwehr
geprägt.
Diese diskursiven Machtelemente der Unsichtbarmachung erweisen sich als Voraussetzung, um eine repressive Kontroll- und Selektionspolitik in der heutigen Einwanderungs- und Integrationspolitik zu ermöglichen. Nur so ist es zu verstehen, warum die Integrationszwangskurse als eine Form der kolonialen Pädagogik mit ihren weitreichenden Sanktionsmöglichkeiten gegenüber postkolonialen MigrantInnen, People of Color und muslimischen Communities ohne nennenswerten Widerstand im Zeichen einer rot-grünen Reform- und Modernisierungsagenda gesellschaftlich durchgesetzt werden konnte."